Montag, 19. November 2018

Ofir Raul Graizer - Ofirs Küche

Heute ausnahmsweise mal ein Kochbuch, mit der Begründung, dass da nur Leckeres drin ist. Optisch und haptisch macht dieses Kochbuch einiges her. Schwer, schön gebunden, eine angenehme Haptik des leicht rauhen und dicken Papieres, ein Lesezeichen und viele ansprechende Fotos von Ofir Raul Graizers Kreationen. Anfangs schildert er seine Motivation dieses Kochbuch zu schreiben, auch seine Kochkurse und sein Film bleiben nicht unerwähnt. Dann schlägt man den Rezeptteil auf und erlebt eine Vielfalt an verschiedenen Köstlichkeiten. Brote und Dips, Saucen und Desserts, Hauptspeisen, Snacks, einfach ein guter Überblick über die Vielfalt der israelisch-palästinensischen Küche. Positiv hervorzuheben ist die gestaltung der Rezepte: jeweils ein Bild. gut sichtbar gleich eine Einteilung i Kategorien a la vegetarisch / vegan/ laktosefrei etc. und eine Kurzanleitung, passenderweise Tacheles genannt. Für mich war vor diesem Kochbuch die Küche des Nahen Ostens nicht neu, dafür war ich Hummus, Falafeln, Shakshuka und Tahini- Paste schon vorher zu sehr verfallen. Jedoch lernt auch hier sowohl der Auskenner in dieser Küche als auch die Vegetarier und Veganer noch einiges dazu, z.B. eine gute Beschreibung für extrem guten Hummus. Dieses Buch ist ein absoluter Tipp für jeden der Nahost- Küche mag, Vegetarier und Veganer und auch alle die gern ihre kulinarischen Erfahrungen erweitern möchten. Der Jackpot- Tipp: ihr habt eine/n Vegetarier/in in eurer Familie oder dem Freundeskreis, die Person kocht gern und ihr habt keine Idee was ihr dieser Person zu Weihnachten schenken sollt? HALLO! HIER! WINK MIT DEM ZAUNPFAHL --> DIESES KOCHBUCH!!!! Also mich hätte es sehr gefreut.

Jonas Jonasson - Der Hundertjährige der zurückkam, um die Welt zu retten

Die Geschichte um den Hundertjährigen - man liebt sie oder hasst sie, das macht gute Bücher aus! Für die einen ist es billiger Klamauk und eine unglaubwürdige Räuberpristole, für die anderen ist eine wunderbar erzählte Geschichte um einen verschrobenen Senior dem die wunderlichsten Dinge passieren. Um es gleich klar zu machen: ich gehöre zur Fraktion der Allan Karlsson- Fans. Vorweg sollte man wissen, dass ich es für sinnvoll erachte den ersten Band dieser Reihe (Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand) gelesen oder gehört zu haben, bevor es hier weitergeht. Das allein beantwortet nämlich schon die Frage warum dieser schwedische Senior so reich ist, in einem Hotel auf Bali lebt und warum sein bester Freund ein Gauner ist.
Dieser Teil der Erzählung um Allan startet nämlich genau dort, in einem Luxushotel auf Bali. Allan feiert seinen 101. Geburtstag und der wird gebührend gefeiert: Stargast, Riesentorte und ein Ballonflug über die Insel. Da bei einem solchen Luxusleben das Geld schnell knapp wird und man nicht gedenkt, die Hotel- Schulden zu bezahlen, wird der Heißluftballon kurzerhand von Allan und seinem Freund Julius gekapert mit dem Ziel zu fliehen. Da bricht dummerweise das Reglerventil des Ballons ab und die beiden treiben hinaus aufs offene Meer... Dieser Teil führt einem die aktuelle Prominenz der Weltpolitik vor: Kim Jong Un, Putin, Trump, Merkel, Doris Leuthard und Margot Wallström - sie alle haben das zweifelhafte Vergnügen Allan auf dieser Reise begegnen zu dürfen. Das Buch ist im typischen Stil von Jonas Jonasson geschrieben. Wunderbar erzählt, immer ein bisschen überspitzt und drüber, mit einem unschagbaren Gefühl für Skurrilitäten und die absurdesten Situationen und trotzdem oft gefühlvoll. Didi Hallervorden interpretiert dieses Hörbuch großartig, seine Stimme ist Allan quasi auf den Leib geschneidert, ein Hörgenuss. Ich mochte Jonas Jonasson schon vorher, aber nach diesem großartigen Nachfolger- Band finde ich ihn richtig toll!

Samstag, 3. November 2018

Cody McFayden- Die Blutlinie (Hörspiel Teil 1/4)

Schicken wir die Meckerei gleich vorn weg: das Foto von Kati Karrenbauer passt nicht ganz zum Original aus dem Buch, aber okay, Smoky Barett wurde ja nunmal von Cody McFayden äußerlich ziemlich verunstaltet. Aber das, und die m.M. recht kurze Spielzeit von etwas über einer Stunde (ist ja nur der 1. von 4 Teilen), sind die einzigen Mankos an diesem Hörspiel. Kati Karrenbauer spricht ihre Rolle als Smoky unglaublich toll. Natürlich erkennt man ihre Stimme sofort, aber sie packt unglaublich viel Gefühl rein, so dass man ihr wirklich gern zuhört. Auch die anderen Sprecher machen einen tollen Job.
In diesem Tel erfährt man erst einmal viel von Smokys Vorgeschichte, gleichzeitig geschieht aber ein neues Verbreachen, eines das mit Smoky ganz direkt zu tun hat, ob sie will oder nicht, sie muss sich dem stellen... Das war wirklich spannender Auftakt mit einem angenehm inszenierten Hörspiel, lediglich die kurze Spielzeit trübt mir hier ein wenig die Freude, ansonsten ist dies ein Muss- Kauf für Cody McFayden- Fans und auch alle anderen Thrillerfreunde sollten mal reinhören.

Montag, 15. Oktober 2018

Joe Bausch - Gangsterblues

Joe Bauschs Buch "Gangsterblues" lanciert unter True Crime. Wie er selbst im Vorwort sagt, neigen Kriminelle (und natürlich nicht nur die) dazu, ihre Stories ein wenig auszuschmücken und ein bisschen glorreicher zu machen. Letztendlich kann man also nicht wissen, wie "true" die Geschichten sind, bis natürlich auf verifizierbare Angaben aus Zeitungsberichten, Polizeiunterlagen und dergleichen. 12 solcher Stories hat Joe Bausch in Gangsterblues zu einem Panoptikum des Knastlebens zusammengestellt. Hier ist alles dabei vom, vielleicht zu Unrecht, einsitzenden Mörder, über clevere Ganoven bis hin zu traurigen Geschichten vom Leben und Sterben hinter Gittern.
Joe Bausch ist selbst Gefängnisarzt und kennt den Kontakt zu den Häftlingen also nicht nur aus Stories sondern aus dem echten Leben, es sind die Geschichten seiner Häftlinge und das merkt man dem Buch. Oft schwingt eine persönliche Note mit, die viel über sein Verhältnis zu dem jeweiligen Straftäter aussagt. Nie ist er aber dabei abwertend, zynisch oder hält sich für etwas "Besseres". Er spricht sie selbst in diesem Hörbuch mit seiner rauhen, authentischen Stimme. Die Geschichten lassen einen nicht unberührt, besonders gefallen hat mir jene mit den drei alternden Ganoven vom Affenfelsen (so nennt man einen großen Stein im Gefängnishof, an dem dieses Trio seine Pausen verbracht hat) die es in einem Alter, in denen es ihnen keiner mehr so richtig zugetraut hätte, allen nochmal so richtig gezeigt haben. Für Krimi und True Crime- Fans und alle die gern Geschichten hören, die das Leben geschrieben hat: greift zu! Es lohnt sich!

Jessica Fellowes - Die Schwestern von Mitford Manor

Bevor wir die Rezension beginnen, erst ein kurzer Test. Investiert die Zeit, sie schützt euch vor einem Fehlkauf: Magst du Geschichten die in noblen Herrenhäusern spielen mit Lords und Ladies und der Dienerschaft? Ja (1 Punkt) Nein (0 Punkte) Wenn eine Krimigeschichte sich eher um die Personen als um den Fall dreht, kannst du damit leben? Ja (2 Punkte) Nein (0 Punkte) Ist es in Ordnung für dich, wenn sich die Charaktere an die Konventionen und Sitten ihrer Zeit halten, auch wenn diese im Jahre 2018 albern, umständlich oder sogar diskriminierend erscheinen? Ja (2 Punkte) Nein (0 Punkte) Lässt du Charakteren anstrengendes, kapriziöses Verhalten durchgehen, weil ihre adlige Herkunft diese rechtfertigt? Ja (1 Punkt) Nein (0 Punkte) Wer mindestens 4 Punkte erreicht hat: Herzlichen Glückwunsch, ihr könnt es versuchen. Der Rest: kauft es euch nicht, ihr wärt nur genervt von einem Krimi der mehr Familiengeschichte als echter Krimi ist.
Es dreht sich zwar anfangs in Jessica Fellowes Roman um eine Körperverletzung mit Todesfolge an einer ehemaligen Militärkrankenschwester, doch entpuppt sich das ganze schnell als Aufhänger und Sideplot für eine oppulente Familiengeschichte a la Downton Abbey mit jeder Menge Dramatik, Anstand und Sitten,Tränen, Skandälchen und Skandalen und natürlich Lords, Ladies und einer Heerschar an Bediensteten in einem vornehmen Haus. Wer Downton Abbey liebt, kann hier nicht Nein sagen. Wer einfach einen Krimi aus den Wilden Zwanzigern möchte, der greift besser zu Babylon Berlin.

Sonntag, 7. Oktober 2018

Oliver Pötzsch - Der Spielmann

Ich kannte Oliver Pötzsch bereits vorher von seinen Henkerstochter- Romanen, einer Mittelalter- Krimi Reihe in der der Schongauer Henker Jakob Kuisl und seine Familie den Dreh- und Angelpunkt der Handlung darstellen. In seiner neuen Reihe erzählt der Autor die Geschichte des Jhann Georg Faustus, jedem eigentlich hinlänglich bekannt durch unzählige Unterrichtsstunden in Deutsch über Goethes Werk. Je nach Deutschlehrer/in erinert man sich mit Freude, emotionslos oder mit Grauen daran zurück, an Fausts wundersames Leben, die Grethchenfrage und den Kern von Pudeln. Bei mir was es Letzteres, langweilie, graue Ödnis im Klassenzimmer, das Werk bis in den letzten Buchstaben von Frau S. mit Valiumstimme analysiert, die Lider wurden schwerer und schwerer...
(heute mal durch Ortsabwesenheit ein Bild ohne Geralt) Ich hatte gehofft, mit Oliver Pötzschs Roman mein Trauma überwinden zu können: es ist gelungen, zumindest teilweise! Pötzsch erzählt die Geschichte lebensnah, mit viel künstlerischer Freiheit, voller Wendungen und unerwarteter Rettungen aus der Not und leider doch nicht ganz packend. An manchen stellen ufert die Geschichte einfach sehr aus, er ergeht sich in Nebenschauplätzen und die Motivation des Charakters Tonio de Moravia Faustus auszuwählen und seinen ganzen Plan habe ich bis jetzt nicht wirklich begriffen, da ist ir eindeutig zu viel unklar, obwohl es einen zweiten Band geben wird. An Tobias Kluckerts sprecherischer Leistung bei diesem Hörbuch ist fast nichts auszusetzen, ich hätte mir nur an den wirklich spannenden Stellen ein bisschen mehr Druck in der Stimme gewünscht. Oliver Pötzsch- Fans sollten bei diesem Buch erst einmal die Leseprobe konsultieren und keinen Henkerstochter- Roman erwarten. Und auch wer, im Gegensatz zu mir, in der Schule nicht literisch mit Goethe gefoltert wurde, sondern Begeisterung für den Faust mitbekommen hat, der sollte hier beherzt zugreifen.

Montag, 24. September 2018

Thomas Raab - Walter muss weg

Dieser Krimi ist nur etwas für Liebhaber. Für Liebhaber einer genau bemessenen, doppelbödigen Sprache. Der Schreibstil von Thomas Raab ist daher natürlich Geschmackssache. Ich empfehle deshalb vor dem Kauf reinzulesen bzw. sich die Leseprobe anzuschauen. Ich bin mir ja nicht sicher ob Herr Raab von natur aus so gut schreibt oder dies mit einiger Unterstützung aus dem Lektorat gelungen ist, fast jeden Satz so zu temperieren, dass sich sprachlich eine maximale Schlagkraft mit stets präsentem schwarzem Humor entfaltet. Deshalb empfinde ich es als Affront, dass der KiWi Verlag uns zwar den Titelbilddesigner und den Autorenfotograf verrät, nicht jedoch das Lektorat!
Ein Beispiel gefällig für diese ungewöhnlich kauzige Sprache? "Ruckzuck schwingen die Fenster auf, stecken die Glaubenthaler ihre Köpfe heraus, als wäre Weltspartag und die längst geschlossene Postsparkasse wieder geöffnet. Mittlerweile kann sich ja sogar die Zweigstelle drüben in Sankt Ursula ihre Spargeschenke sparen, denn selbst in der Sockenlade zuhause findet die alte Huber bessere Zinsen." Da wird denn vor lauter Grinsen über die Macken und Schrullen der Dorfbewohner die eigentliche Geschichte zur Nebensache. Wer sich das fragt: die alte Huberin trägt nach Jahrzehnten zuneigungsloser Ehe ihren Mann zu Grabe. Er ging zum Herrgott direkt nachdem er kam. Das Kommen allerdings erledigte er zuvor in einem sehr irdischen Dienstleistungsbetrieb. Dummerweise fällt der Sarg bei der Beerdigung mit etwas zuviel Schwung in die Grube, der Deckel geht auf und drin liegt - nun ja- nicht Walter, der Mann der Huberin. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Ein wenig mehr Fokussierung auf die Handlung hätte das Lesen weniger anstrengend und flüssiger gemacht. Aber alles in allem ein lesenswerter, wenn auch sehr ungewöhnlicher Provinzkrimi.

Ulrike Schweikert - Die Charité

Die junge Elisabeth, aus armen Verhältnissen stammend, sieht bei ihrer Schwester, dass ein Leben in der Ehe in der damaligen Zeit nicht immer ein Zuckerschlecken ist und beschließt selbstständig zu leben. Selbstständig, das heißt unvorstellbar lange Tage als Krankenwärterin in der Charité zubringen. Martha Vogelsang ist die geachtete Berliner Stadthebamme, sie hilft den Kindern von arm und reich auf die Welt zu kommen. Doch allzu oft ist sie machtlos und Mütter und Kinder sterben unter ihren Händen. Ludovica ist Gräfin, doch gefangen in einer Ehe mit einem Mann der ihr zuwider ist und sie schlecht behandelt. Doch zum Glück, nach langer Zeit, erwartet sie endlich ihr erstes Kind und kann so die Erbfolge sichern. Um diese interessanten weiblichen Figuren baut Ulrike Schweikert ihren Roman über die Charité auf. Sie spart dabei nicht mit den Härten der damaligen Zeit. Es fließt Blut, operiert wird ohne Narkose (die war damals noch nicht erfunden) aber mit kräftigen Männern, die den Patienten festhalten, der Wundbrand und das Kindbettfieber grassieren auf den Stationen, Syphiliskranke werden mit Quecksilber sowohl vergiftet als auch kuriert, es herrscht unbeschreiblicher Gestank und die Menschen kommen nur allzu oft nicht mehr lebend aus der Charité.
Man ahnt es schon: was in diesem Hörbuch nicht im Vordergrund steht sind romantische Tändeleien, diese kommen zwar vor, begleiten und ergänzen diesen Roman aber eher, als dass sie Selbstzweck sind. Man lauscht Beate Rysopps angenehmen Vortrag wenn sie von Professor Dieffenbachs bahnbrechenden Operationen erzählt, aber auch von der Verzweiflung, wenn sich hoffnungsvolle Patienten in Todgeweihte verwandeln. Dieses Hörbuch ist ein wirklich gut gemachtes Stück Erzählkunst, ich habe jeder der fast 9 Stunden genossen. Fans von Ulrike Schweikert können bedenkenlos zugreifen, Fans von medizinsichen Romanen und historischen Geschichten die nicht immer "klassisches Mittelalter" sein müssen, sei ebenfalls geraten sich in die Charité zu begeben.

Samstag, 11. August 2018

Lindsey Fitzharris - Der Horror der frühen Medizin

Heute mal ein improvisertes Foto aus dem Urlaub,da das Buch verliehen wurde. Hier haben wir es mit einem absolut empfehlenswerten Sachbuch zu tun, bei dem sowohl nüchterne Mediziner als auch Fans von Büchern mit jeder Menge Blut, Eingeweiden und Eiter auch ihre Kosten kommen! Man mag es sich gar nicht vorstellen, doch noch im vorletzten Jahrhundert war es die Realität: zum Mittel einer Operation griff man immer nur als allerletzte Möglichkeit, wenn der Patient ohnehin schon todgeweiht schien und wenn man zu Werke schritt, dann ohne Narkose, die gab es nämlich noch nicht. Doch dann kam der Durchbruch, die gute alte Äthernarkose, so zwar heute auch nicht mehr angewandt, aber endlich trauten sich die Chirurgen wirklich zu operieren, in dieser Zeit fühlte sich der junge Joseph Lister berufen diesem Berufsstand anzugehören und seine Arbeit und seine Forschungen sollten die Welt verändern und unzähligen Menschen das Leben retten. Lindsey Fitzharris erzählt die Lebengeschichte Listers packend und wie in einem Roman. Anschaulich schildert sie die Zustände zu dieser Zeit in Operationssälen, Anatomietheatern und Hospitälern. Diese kann man als Mensch unserer modernen Medizn fast gar nicht fassen, bei Fitzharris´Bericht wie der Chirurg Liston (ListON,nicht ListER) bei einer einzigen Operation gleich 3 Männer ins Grab brachte, bleibt einem der Mund offen stehen. Sie berichtet von Listers Zweifeln an der Medizin und den damals gängigen Lehrmodellen der Krankheitsverbreitung, seinen vehementen Widersachern wie den Anhängern der Miasmen- Theorie und seinem Streben nach der Erlangung von immer mehr und immer neuen Erkenntnissen.
Dieses Buch über den ersten Verfechter der Asepsis (sprich der Verringerung krankheitsverursachender Mikroorganismen in der Nähe des Patinten) ist wirlich ein Must read für jeden Fan medizinischer Sachbücher und für alle, die sich für Berichte von großen Denkern und Forschern begeistern können. Es ist auch alles so beschrieben, dass man selbst nicht medizinisch vorgebildet sein muss, um dem Buch folgen zu können. Für mich bis jetzt das beste Sachbuch 2018.

Montag, 6. August 2018

Gabe Hudson - Gork der Schreckliche

Sorry für die lange Sendepause- aber ich war im Heidennirvana- eine lange Geschichte voller Met und sonnenverbrannter Tage, die aber ein anderes Mal erzählt wird. Eines möchte ich vorweg nehmen: nach wie vor frage ich mich, ob ich mit meinen 31 Jahren wohl einfach nicht die Zielgruppe für dieses Buch bin. Was wohl eine 16- jährige, wandelnde Akne- Zuchtanstalt im cerebralen Hormonnebel zu diesem endheftigen Teenage- Dragomance sagen würde? Was das jetzt bitte für ein dämlicher Satz war? Einer der charakteristisch für dieses Buch ist! Gabe Hudson wählt für seine Teenager- Lovestory im Drachen - im -SciFi- Universum- Gewand (für sich schon abgedreht genug) eine gekünstelte, rotzige Jugendsprache, die einen die Augenbrauen hochziehen lässt. Ob´s am Übersetzer lag? Man mag es kaum glauben, denn auch das Lektorat hätte ob der unendlichen Formulierungs- Wiederholungen Bluthochdruck kriegen müssen! So ist hier stets und ständig zu lesen "mein schuppiger grüner Arsch", fast auf jeder Seite, ich fühlte mich an das ebenfalls unsäglich schlecht geschriebene "50 Shades of Grey" erinnert, da begegnet man ja auch auf jeder zweiten Seite Anastasias "innerer Göttin" die sich wahlweise räkelt, jubiliert, stöhnt, räkelt, jubiliert, stöhnt, bei sowas stöhnt der Leser halt mit, aber eher entnervt.
Da die Handlung von Niveau und Tiefe auch eher auf dem Niveau von Youtube- Makeup- Tutorials dümpelt (die Handlung hätte problemfrei, ohne die unsinnigen und unnötigen Abschweifungen auf 80 Seiten gepasst) habe ich mir einen Spaß daraus gemacht und hier kommt mein Tipp für Gork- Leser Ü18: ihr braucht eine Flasche eures Lieblingsschnapses (ich habe im Urlaub was regionales genommen, Ramzotti) und das Buch! So geht´s: loslesen und immer wenn das schuppige grüne Hinterteil genannt wird, einen kräftigen Schluck aus der Pulle nehmen. Nach 10 Seiten wird die Story gut, nach 25 Seiten war ich quasi auf dem Wille-zur-Macht-Level: knallhartes Rauhbein ohne Bewusstsein, um beim Gork- Jargon zu bleiben. In diesem Sinne: wer mal ein schlechtes Buch verschenken will (Prävention damit die Schwiegermutti nicht die eigenen Fantasybücher plündert) oder ein literarisches Saufspiel für die nächste Party braucht: hier seid ihr richtig! Ihr fandet diese Rezension unsachlich? Ich auch! Aber ernsthaft, zu dem Buch gibt es nix gutes zu sagen außer: nettes Cover!

Mittwoch, 11. Juli 2018

Dream Maker - Audrey Carlan

Ich würde ja Frau Carlan wirklich mal gern persönlich kennen lernen. Sie scheint scheinbar eine große Freundin von schematischen Abläufen zu sein. War in ihrer bekannten Reihe "Calendar Girl" alles schön schematisch nach Monaten unterteilt und der erste Band somit von januar bis März reichend, wird hier nach Städten geflirtet und geschnackselt. Von Paris über New York nach Kopenhagen. Ich komme nicht umhin beide Serien zu vergleichen. In Calendar Girl prostituiert sich eine junge Frau um die Spielschulden ihres Vaters zu begleichen. Ganz schön traurig und mies, doch dabei trifft sie auf ihre große Liebe, sonst wäre es ja keine Audrey Carlan- Story. In Dream Maker hingegen geht es um den jungen, erfolgreichen Parker Ellis, der mit seinem Unternehmen International Guy Kundinnen auf der ganzen Welt coacht und dabei auch gern mal flachlegt, professionell geht irgendwie auch anders. Irgendwie aber auch ein bisschen sexistisch, finde ich, wenn sie sich aus Zwang prostituiert, ist er einfach zu blöde ist Job und Privatleben zu trennen. Aber irgendeinen Aufhänger hat die Autorin halt gebraucht, damit die Erotikstory um Parker ins Rollen kommt, kann ich verstehen; von einem die Frauen wegknallenden Müllmann mag ja auch keiner gern hören.
Die Geschichte an sich verläuft wieder nach dem Carlan- tyypischen Strickmuster und bietet damit kurzweilige erotische Unterhaltung nah am Mainstream. Sven Macht macht mächtig was her als Sprecher (geiles Wortspiel, sorry...). Er erzählt die Geschichte packend und mit angenehm tiefer Stimme, lediglich Alicia Hofer für die 2-3 Kapitel aus Skylers Sicht hätte es wirklich nicht gebraucht, so mittendrin und kurz wirkt sie wie ein Fremdkörper, das hätte der mächtige Sven auch gern lesen können. Wer leichte Unterhaltung für die spritzigen Momente des Lebens (no pun intended!) sucht, ist hier genau richtig.

Montag, 9. Juli 2018

Das Erbe der Macht: Die Chroniken der Archivarin - Andreas Suchanek

Da hat er ja mal wieder was angestellt, der Andreas Suchanek. Die Chroniken der Archivarin ist ein Spin-Off zu "Das Erbe der Macht" und die Handlung spielt nach dem ersten Zyklus (also dem 12. e-book bzw. dem 4. Hardcover). In der Geschichte gehen Leonardo da Vinci und Johanna von orleans zurück in ihre gemeinsame Zeit als Paar, während der amerikanischen Kolonialzeit. Man erfährt viel über ihre Beziehung zueinnder, doch als auf dem neuen Kontinent Morde geschehen, die eindeutig von einem Magier begangen wurden, werfen diese Ereignisse ihre drohenden Schatten auf die beiden.
Was soll man zu diesem Spin Off sagen außer: typisch Andreas Suchanek. Wer den Autor und sein Erbe der Macht noch nicht kennt, das heißt konkret: eine temporeiche, spannungsgeladene Fantasystory die durch die Jahrhunderte der Menschheit fliegt, keine Zeit zum Luft holen lässt und mit witzigen Situationen und Dialogen daher kommt, die aber nie in Klamauk abrutschen und jeder Menge Cliffhangern. Fans greifen eh zu, Neulingen würde ich zum Testen, ob Das Erbe der Macht einem liegt, zu diesem Spin Off oder zum ersten e-Book bzw dem ersten Hardcover raten. Hier wird jedenfalls nicht zu viel verraten, so dass man dann keinen Spaß mehr am ersten Zyklus hätte.

Sonntag, 1. Juli 2018

Buchcover Challenge - Tag 3

Tag 3 der 7 Cover von 7 Büchern, die nachhaltig Spuren hinterlassen haben Challenge. Weiter geht es hier und in meinem Blog ( https://kopfkino-buecher.blogspot.com/ ), mit einem Klassiker: Nebenan von Bernhard Hennen Dieses Buch hat Spuren hinterlassen, weil ich es mit zu Schulzeiten in einer Remittendenkiste bei der damaligen Urania- Buchhandlung entdeckt habe und es mir eine Ahnung davon gab, wer ich sein könnte.
Es ist eines der unbekannteren von Bernhard Hennen, der ja sehr bekannt ist, vor allem für die Elfen. Dieses Buch ist eine Art Urban Fantasy und das lange bevor dieser Begriff hip wurde. Der Erlkönig sorgt für Stromausfälle, die Minio... ähm Heinzelmännchen versuchen die Lage zu retten und mittendrin ist ein Student, der in einen Baum verliebt ist. Klingt komisch, ist aber so! Und ganz nebenbei geht es um Nerds, Pen&Paper Rollenspieler und darum seinen eigenen Weg zu finden.
Für mich war das eine ganz neue Welt, damals im Osten auf dem Dorf, gefühlt Lichtjahre weit weg von jeder Art von Gleichgesinnten. Dieses Buch gab mir Vision und Perspektive in einer Zeit, in der ich mich erst finden musste. Danke dafür, Herr Hennen!

Freitag, 29. Juni 2018

Buchcover Challenge Tag 2

Tag 2 der 7 Cover von 7 Büchern, die nachhaltig Spuren hinterlassen haben Challenge. Der fünfte Stein von Micha Pansi Dieses Buch hat Spuren hinterlassen, weil ich es mit 18 in Halle/(Saale) in der Thalia- Buchhandlung, die damals noch die Urania- Buchhandlung war, gefunden habe. Nach meiner Lesefreude- Wiedererweckung durch Harry Potter las ich so dies und das, doch dieses Buch zog mich magisch an. Fast 10cm dick und ein gewaltiges Fantasyepos, drei Bände in einem Buch. Mein Jungerwachsenenhirn dachte sich: packen wir's an! Und das war's dann!
Seitdem bin ich begeisterte Fantasy- Leserin und das bis heute. Wer Lust auf nicht ganz klassische Fantasy, unglaublich real wirkende Protagonisten (Akara und Skarg sind bis heute zwei meiner Lieblingsbuchfiguren) und einen extrem lebendigen Erzählstil hat, der muss das lesen! PS: gerade habe ich auf der Homepage von Micha Pansi gelesen, dass es 2018 eine Fortsetzung geben wird. Und das nach mehr als 10 Jahren.

Donnerstag, 28. Juni 2018

Buchcover Challenge - Tag 1

Tag 1 der 7 Cover von 7 Büchern, die nachhaltig Spuren hinterlassen haben Challenge. Harry Potter und der Stein der Weisen von J. K. Rowling Dieses Buch hat Spuren hinterlassen, weil ich es im Allgäu- Urlaub (ja, kein Scherz, das Schicksal wusste damals schon, wo ich mal landen werde.) mit 12 Jahren in einem Buchladen entdeckt habe (natürlich nicht diese Ausgabe) und so lange genervt habe, bis ich es haben durfte. Dieses Buch hat meine Liebe zum Lesen wiedererweckt, die mir zuvor durch meine unfassbar öde Deutschlehrerin Frau S. ausgetrieben wurde. Seitdem habe ich fast jeden Tag ein Buch in der Hand gehabt, trotz quälender Stunden voller sterbenslangweiliger Schulliteratur.

Montag, 18. Juni 2018

Frank Schätzing - Die Tyrannei des Schmetterlings

Frank Schätzings Schreibstil- von seinen Fans geliebt, von vielen anderen gefürchtet. Ich stehe da irgendwie zweifelnd in der Mitte. Einerseits mag ich seinen umfangreichen Wortschatz, einer der wenigen Autoren der auch vor Adjektiven wie "desperat" nicht zurückschreckt (und damit irgendwie das Lektorat überlebt), andererseits erzählt er oft mit diesem Wortschatz derart ausschweifend und ein wenig überladen, dass es mir manchmal schwer fällt ihm zu folgen und konzentriert zuzuhören. Wenn man nichtwirklich aufmerksam zuhört, ist der rote Faden schnell weg und man horcht in Momenten auf, wenn man sich denkt "was, wie ist das denn jetzt passiert", zusätzlich stellt die besondere Natur dieser Geschichte einen geistig ziemlich auf die Probe. Das hat mich an meine zuhörerischen Grenzen gebracht.
Sasche Rotermund liest hier gut, wenngleich es mir etwas lebendiger hätte sein dürfen, das ist aber mein persönliches geschmackliches Fazit. Schätzings Schwarm bleibt für mich nach wie vor unerreicht, auch wenn es kein ausgesprochen schwaches Schätzing- Buch wie "Breaking News" ist. Es siedelt sich m.M. im unteren Schätzing- Mittelfeld hinter Limit an. Fans sollten kaufen, alle anderen erstmal darüber nachdenken, ob sie mit dem typischen Schätzing- Stil auch bei einer schwächeren Story leben können.

Dienstag, 12. Juni 2018

James Rayburn - Fake

Was passiert, wenn ein Idol der Nahost- Friedensbewegung dummerweise durch einen Drohnenangriff des eigenen Staates umkommt? Richtig, die heiklen Friedensverhandlungen könnten scheitern. Was macht man da? Na klar, das Idol wieder lebendig! Klingt komisch? Nicht für den Ex- Geheimdienstler Pete Town, der genau für diese Aufgabe aus dem Ruhestand berufen wird, um diese heikle Mission, die über Wohl und Wehe des Friedens im Nahen Osten mitentscheidet, durchzuführen. Doch er hat auch mächtigde und einflussreiche Gegenspieler, denen daran gelegen ist die Situation im Nahen Osten zu destabilisieren...
Man merkt Fake ganz deutlich an, dass James Rayburn normalerweise Drehbücher schreibt. Das Buch liest sich wirklich wie ein Kinofim, man hat jede Szene plastisch vor Augen, Action und Momente mit Thrill kommen nicht zu kurz, doch auch die Figuren sind nachvollziehbar entworfen. Mein Favorit ist Dudley Morse, lest es selbst, was für ein Lebensweg, was für ein Mann! Kein strahlender Held mit glänzender Rüstung, eher das ganze Gegenteil, aber was für ein Buchcharakter! Wow! Man muss James Rayburn damit also auch ein Händchen für gut geschriebene Antagonisten attestieren, Morse und Littlefield sind so extrem, aber eben auch extrem glaubwürdig. Auch die Mission selbst ist derart gewagt, halsbrecherisch und ein kleines bisschen irre, man mag gar nicht an den Erfolg der Operation glauben. Ich kann Fake allen Fans von politischen Thrillern und auch jedem, der Bücher mit dem gewissen cineastischen Flair mag, wirklich nur ans Herz legen.

Montag, 28. Mai 2018

Anja Bogner- Bülent Rambichler und die fliegende Sau

Ich gebe es ja zu: der knuffige Wolpertinger auf dem Cover hatte mich schon weichgekocht und für das Buch eingenommen, noch bevor ich eine einzige Seite gelesen hatte. Aber dieses putzige Wesen, das uns da mit schwarzen Knopfäuglein vom Cover aus anstarrt soll hier nicht vom Inhalt ablenken! Also zusammengerissen und das Buch besprochen: Anja Bogner legt mit "Bülent Rambichler und die fliegende Sau" ihren ersten Regionalkrimi um den fränkischen Ermittler mit dem türkischen Vornamen vor. Und der hat ein schweres Los! Eigentlich schiebt er gerne eine ruhige Kugel bei der Nürnberger Mordkommission und kümmert sich dort um alte Fälle, schön viel Ruhe, nur Akten, kein Stress. Dummerweise ändert sich das an dem Tag, als in seinem Heimatdorf Strunzheim die Metzgereifachverkäuferin Kerstin Rummsler, genannt "Gelbwurst- Pflunzn", zu Tode kommt. Sein Chef spricht ein Machtwort und Bülent muss mit seiner Kollegin Astrid im Heimatdorf ermitteln, was ihm gewaltig stinkt. Schlimmer wird es als Bülents übereifriger Vater ein Polizeibüro im Gartenhäuschen einrichtet, Bülent sich mit Landjugend und Dorfrentnerschaft rumschlagen muss und auch Astrid hat als Veganerin im Saure- Zipfel- Land kein leichtes Leben.
Das alles könnte schwermütig, dumpf und deprimierend sein. Ist es aber nicht! Kein Bisschen! Anja Bogner verpackt ihren Krimi in einen rustikal- fränkischen Stil und mischt die Ermittlungsarbeit mit allerlei humoristischen Szenen auf und authentisch ist es auch noch. Jedes Dorfkind erkennt in ihrem Buch hier und da Erinnerungsfetzen des eigenen Dorflebens, seien es der Klatsch und Tratsch, der sich immer mit Lichtgeschwindigkeit verbreitet, entgleiste Parties der Dorfjugend oder die Originale im Dorf, die jeder kennt. Diese Originale sind hier auch herauszuheben. Anja Bogner hat so unglaublich authentische, witzige und einzigartige Charaktere erschaffen, dass bei mir nach dem ersten Buch die emotionale Bindung schon da ist und ich der reihe treu bleiben werde. Das Buch ist absolut flüssig geschrieben, man fliegt nur so durch die Geschichte und die vielen türkischen Sprichworte am Kapitelanfang sind ein kleines Schmankerl. Dieser Krimi kann nicht nur empfohlen werden, er MUSS empfohlen werden. Ein absolutes Highlight des Regional- Krimi- Genres. Rita Falk sollte sich besser warm anziehen, denn Anja Bogner macht sich mit Bülent Rambichler auf einen guten Weg ihr und ihrem Franz Eberhofer ebenbürtig zu werden.

Montag, 21. Mai 2018

Andreas Suchanek - Ein M.O.R.D.s- Team Band 4 - Das Echo des Schreis

Mit dem vierten Hardcover der Reihe beendet Andreas Suchanek den ersten Fall und klärt (fast) alles auf. Wer jetzt dekt, man könne danach einfach weiterschweifen und nichts mehr von M.O.R.D.s- Team lesen, der irrt. In diesem Band wird bereits deutlich welche weiteren Geheimnisse in der Unterwelt von Barrington Cove lauern und dass es noch mindestens einen weiteren ungelösten Fall für die vier Highschool- Ermittler gibt. Der zweite Fall steht vor der Tür!
 
 
Aber auch hier, am Ende des ersten Falls spart der Autor (mal wieder) nicht mit extremen Cliffhangern, unvorhersehbaren Wendungen und einer Auflösung des Falls (wer ermorderte Marietta King?) die ich so wirklich nicht erwartet hätte. Es gab zwar in den Vorgänger- Bänden Andeutungen, aber diese Person als Täter, das hätte ich nicht gedacht!
Kurzum: es ist wieder alles vorhanden was Fans der Serie mögen: Action, Rätsel und Mysterien, Witz und vier zielstrebige Teenager die bereits sind alles zu riskieren um dem Mörder auf die Schliche zu kommen. Auch aus dem Leben der Clique der 84er erfährt man mehr.
Für Fans der Serie Pflichtlektüre! Alle die Detektivreihen mögen, sei geraten unbedingt mal Folge 1 als eBook anzutesten oder gleich das erste Hardcover mit den Folgen 1-3 zu kaufen. Der Quereinstieg hier ab Folge 10 ist zwar möglich, aber man würde einiges verpassen und auch manches nicht verstehen.

Montag, 7. Mai 2018

Das dunkle Herz der Welt - Liliana le Hingrat

Was schon Troja zum Verhängnis wurde, war auch Jahrhunderte später ein Problem und ist es bis heute. Der Volksmund sagt nicht umsonst dass man von einem schönen Teller nie allein isst. Bei Vladislav Basarab Draco, Sohn des ehemaligen Fürsten der Wallachei, und seinem ungarischen Schwertbruder Janos Hunyadi, ist die schöne Clara der Zankapfel, der die beiden besten Freunde zu erbitterten Feinden werden lässt. Sowohl der bereits verheiratete Vladislav als auch sein Freund Janos hoffen darauf, dass die Dame ihrem Charme verfällt und daraus entbrennt der Streit.

Liliana Le Hingrat (der Name ist übrigens kein Pseudonym!) hat einen extrem gut recherchierten, wie auch fesselnden Historienroman geschrieben. Er ist angereichert mit allerlei Fakten und Details ohne aber jemals zu sachlich zu sein, oder einen mit den Fakten zu erschlagen. Dem Buch habe ich es zu verdanken, dass ich jetzt ein bisschen gebildeter bin, was diese Epoche in Osteuropa angeht, die Existenz der Kirchenburgen war mir vorher z.B. noch gar nicht bewusst! Jetzt habe ich selbst ein bisschen gegoogelt und werde sie mir unbedingt einmal selbst ansehen, der Rumänien- Urlaub ist gebucht!




Zum Stil des Buches kann ich sagen, dass es einen wirklich in seinen Bann zieht. Es ist gut und flüssig geschrieben. Der einzige kleine Minuspunkt den ich bemängeln würde ist, dass die Dialoge und die Anreden manchmal etwas wirr sind. Es werden kurz hintereinander verschiedene Begriffe und Anreden für ein und dieselbe Person gebraucht (Fürst, Drachenritter...), das erschwert manchmal kurz den Lesefluss wenn man kurz überlegen muss, wer gemeint ist und im Zweifelsfall den Absatz nochmal liest. Das Buch ist also für "Häppchenleser" wie mich, die zwar oft aber immer nur wenige Seiten am Stück lesen, von daher manchmal ein harter Brocken.

Das Cover ist auch sehr ansprechend, es ist stimmig und gut zum Thema passend. Die großflächige Verwendung des warmen Rottons macht es zu einem Eyecatcher.

Insgesamt kann ich diesem Buch meine unbedingte Empfehlung aussprechen für alle Freunde historischer Romane, insbesondere für jene die gern auch mal etwas lesen, dass nicht ganz so einfach ist wie Romane a la "Wanderhure".

Samstag, 5. Mai 2018

Liebe, Tod und Tofu - Margot Jung

Traue keinem Buch, das einem Blogger auf der Leipziger Buchmesse gegen eine Rezension geschenkt wird...

Ja, eine alte Weisheit, hat sich leider mal wieder bestätigt.

In Margot Jungs Krimi "Liebe, Tod und Tofu" geht es um die Fernsehköchin Francesca Carlotti. Diese macht sich auf den Weg in die Berge um dort in einem Hotel einen Kochkurs zu geben, daraus wird aber leider nichts. Just als sie bei Weltuntergangswetter direkt auf dem Hotelparkplatz in einen harmloseren Autounfall verwickelt wird, geht eine Mure ab, das Tal ist von der Außenwelt abgeriegelt. Mit ihr sind nur eine Handvoll Gäste im Hotel, unglücklicherweise unter anderem ihr Ex- Mann mit seiner neuen Flamme und dessen alte Fußballfreunde. Und dann geschieht auch noch ein Mord...


 Warum hat mir dieses Buch nicht so gut gefallen?

Nun, fangen wir mal beim Plot an sich an. Die Idee des Mordes, wenn die potentiellen Verdächtigen alle bekannt sind, ist nicht neu. Nur hier reiht sich viel zu viel Zufall und Deus Ex Machina aneinander. Es schaffen es z.B. alle aus dem Kreis des "Mannschaftsrat" genannten Ex- Fußallerkreis ins Hotel, natürlich auch noch Francescas Sohn und Tochter und die Neue vom Ex, aber kein einziger Kochkurs- Teilnehmer oder sonstiger Hotelgast. Klingt unwahrscheinlich. Insbesondere der Grund warum Francescas Sohn da ist, wirkt extrem herbeifabuliert (klar, wenn ein Teenager Stress hat, dann fährt er zu Mama "auf die Arbeit" statt einfach nach Hause). Aber irgendeinen Grund braucht man ja, damit der Bub, für ein bissl mehr Familienchaos in der Geschichte, halt da ist. Und so geht es in der Geschichte immer nicht so ganz glaubwürdig weiter...

Die Zeichnung der Charaktere ist auch alles andere als fein. Francesca ist eine deutschlandweit bekannte Fernsehköchin- was qualifiziert sie dazu? Sie hat mal in einer Bar gejobbt und hat dann einen Fußballer geheiratet. Klingt logisch! Italiener sind alles Machos, Dorfpolizisten sind strunzdumm und ihr Ex hat längst eine jüngere Neue, aber natürlich will er Francesca irgendwie doch zurück. Da wurde ganz tief in der Klischeekiste gewühlt.

Was mich überdies gestört hat, sind die sehr konstruierten Konflikte. Francescas "Gegenspielerin" Jaqueline, die Neue vom Ex, ist eine bekannte Köchin der veganen Küche und soll mit ihr zusammen den Kochkurs abhalten. Natürlich wusste Francesca das nicht! Natürlich wusste ihre Mangerin das nicht. Natürlich trägt die Veganerin Lederschuhe! Natürlich kann die Jaqueline nicht kochen! Natürlich nimmt die kiloweise Ersatzprodukte! Himmel hilf! Ich bin selbst keine Veganerin, aber sogar ich weiß, was für weltfremde und (Entschuldigung, Frau Jung, aber das ist Fakt!) strunzdumme Klischees das sind. Diese werden noch mehr ad absurdum geführt, wenn Francesca der Jaqueeline einen Vortrag zu regionalen Produkten hält und dann selbst Rohrzucker in ihre ach so italiensichen Pancakes (!) schmeißt.

Auch die Auflösung des Falles ist wirklich kein bisschen überzeugend.

Dieses Buch konnte ich leider gar nicht begeistern, ich kann es nicht weiterempfehlen.


Montag, 30. April 2018

Jordan Harper- Die Rache der Polly McClusky

Polly McClusky ist elf Jahre alt, liebt ihren Teddybär, obwohl sie eigentlich fast schon zu alt dafür ist, und ist eines der Loser- Kinder an ihrer Schule. Doch wirklich alles ändert sich für sie, an dem Tag an dem ihr Dad vor der Schule steht, statt ihrer Mom oder ihrem Stiefvater.

Ihr Dad Nate, der früh auf die schiefe Bahn geraten ist, hat die mächtige Neonazi- Gang Aryan Steel gegen sich aufgebracht. Gegen ihn, seine Ex- Frau und seine Tochter ergeht vom Boss der Gang ein "Hinrichtungsbefehl". Wer sie tötet wird belohnt. Als Nate das erfährt und seine Ex- Frau und deren Mann tot auffindet, ist ihm klar, er muss Polly beschützen!





Der Schreibstil ist kurz und bündig, ganz wie man es von einem Drehbuchautor wie Jordan Harper erwartet. Insbesondere in der ersten Hälfte der Geschichte habe ich mich damit schwer getan, es hat mich nicht so richtig in den Bann gezogen. Doch dann,  mit einer Schlüsselszene die ich hier nicht verraten möchte, war ich im Sog der Geschichte. Man kann sich so gut mit den Charakteren, insbesondere mit dem ewig- getriebenen Nate aber auch mit der extrem faszinierenden und vielschichtigen Charakterentwicklung von Polly. Man leidet mit ihnen, man lacht mit ihnen, man wächst mit ihnen.

Was man erwähnen sollte ist die Direktheit und rohe Brutalität des Buches. Es geht um Bandenkriminalität, Nazis, brutale Morde, Korruption, Drogen und andere unschöne Dinge und rein gar nichts davon wird geschönt dargestellt. Wer ein Problem damit hat, wenn Neonazi- Bosse Kinder tot sehen wollen oder Menschen grausam ermordet werden, der sollte lieber zu einem anderen Buch greifen.

Trotzdem kommt manchmal eine verträumte Poesie auf, etwa in den Momenten in denen Polly durch ihren Teddybär kommuniziert, dort fühlen sich die Worte wie wohl platzierte Hammerschläge an, eindringlich aber kunstvoll.

Ich habe lange nicht mehr etwas so gleichzeitig Schreckliches und Schönes gelesen. Ein Buchtipp für alle, die Brutalität ertragen können, denen aber nicht nach Stumpfsinn, niedrigem Niveau oder Einheitsbrei ist.
       

Sonntag, 29. April 2018

Klüpfel & Kobr - Der Sinn des Lesens

Am Freitag pünktlich zur Veröffentlichung des 10. Bandes der Kluftinger- Serie waren Volker Klüpfel und Michael Kobr in der Kemptener Big Box mit ihrem Programm "Der Sinn des Lesens" zu Gast.

Der große Saal der Big Box war zu gut zwei Dritteln gefüllt. Für Kluftis Oberallgäuer Heimatvolk (und damit auch für mich) war das natürlich die perfekte Gelegenheit in den neuen Roman reinzuschnuppern, wobei ich da natürlich den Wissensvorsprung hatte, da ich ja bereits die komplette Geschichte kannte. Wär an dem Abend jemand frech geworden, er oder sie wäre böse von mir gespoilert worden. ;-)



Neben bekannten Favoriten wie z.B. dem Skype- Chat zwischen Klufti und seinem Schwiegervater- Pendant Sazuka lasen die beiden Autoren auch aus dem neuen Roman und - ja, ganz genau - sie haben Kluftis Vornamen verraten.

Auch bei den neuen Szenen blieb kein Auge trocken, insbesondere bei den Rückblenden in das Leben des jungen Kluftingers. Natürlich konnten die Autoren auch das gegenseitige Gekabbel nicht lassen. Ebenso haben Klüfel und Kobr von ihrem Werdegang erzählt und es waren einige Bilder aus Kindheit und Jugend zu sehen. Wie alle Kinder- und Jugendbilder waren natürlich auch diese wegen dem Folgen längst (zu Recht) vergessener Trends aus heutiger Sicht unfreiwillig komisch.

Im Anschluss konnte man beide zum Signieren und Quatschen im Foyer der Big Box trreffen.

Weitere Termine der Tour findet ihr hier: Termine

Freitag, 27. April 2018

Klüpfel & Kobr: Kluftinger

Die Reihe um den kauzigen Komissar Kluftinger aus dem Allgäu weiß schon seit Jahren die Leser und Hörer zu begeistern. Auch der aktuelle Fall aus der Feder der Herren Klüpfel und Kobr bietet den Fans wieder Lesefutter und beste Unterhaltung.

Diesmal beginnt die Geschichte am Totensonntag mit dem familiären Spaziergang zu den Familiengräbern, zum ersten Mal in Begleitung von Kluftingers Enkel, der am Ende des letzten Buches geboren wurde. Klufti ist ganz vernarrt in seinen Enkel, umso größer ist deswegen auch sein Unwohlsein als er auf dem Altusrieder Friedhof ein Sterbekreuz mit seinem Namen entdeckt. Auch in der Zeitung erscheint eine Todesanzeige mit seinem vollständigen Namen (der in diesem Band verraten wird!). Will jemand Klufti ans Leder?

Der neue Roman bietet wieder die bewährte Mischung aus der Klüfel & Kobr typischen Situationskomik, einem packenden Kriminalfall und Kluftis liebenswertiger Kauzigkeit.


Ein besonderes Schmankerl der Hörbücher ist ja Christian Berkel als exzellenter Sprecher, der von beiden Autoren unterstützt wird. So gewinnt die Story ungemein an Lebendigkeit und Authentizität, durch die allgäuerisch und schwäbisch schwätzenden Autoren. Ich höre deswegen die Kluftis lieber als sie zu lesen, ein Kompliment, dass ich sonst nur Jaques Berndorfs Eifel- Krimis machen kann.

Dabei stellt der Jubiläumsband die Vorgänger in den Schatten und zwar bei Weitem! Chapeau dafür, auf die eh schon guteSerie noch einmal einen drauf gesetzt zu haben! Klufti wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert, man erfährt vieles über den jungen Kluftinger. Es passieren so bei Klufti noch nie gekannte dramatische und atemraubende Szenen und unwiderrufliche Entscheidungen, todtraurige Situationen (bei denen ich fast mitgeweint hätte) und das ohne die Gesschichte zu bleiern- traurig zu machen. Allerdings sind die typischen skurillen Klufti- Momente mit Lachgarantie auch vertreten.

Fans der Serie dürfen nicht nur, sie müssen zugreifen ebenso wie alle Krimifans, man kann ruhig mit diesem Band beginnen und sich dann die Vorgeschichte zulegen.

Montag, 23. April 2018

Elly Blake - Fire & Frost: Vom Eis berührt

 Endlich mal gute Jugendbuch- Fantasy!




Aber kommen wir erstmal zu den Klischees, dann haben wir das Thema nämlich durch! Ja, die Hauptfigur ist ein junges Mädchen, ja, sie hat besondere Kräfte und ja, auch Amors Pfeil versucht zu treffen.

Aber wer jetzt entnervt aufstöhnt und und sich gerade noch ein "schon wiiiieeeeder"verkneifen kann, der urteilt hier zu vorschnell. Diese Basis des Plots ist natürlich nicht gerade unverbraucht und das spätestens seit Trudi Canavans "Die Gilde der Schwarzen Magier".

Allerdings macht Elly Blake etwas ganz zauberhaftes, im wahrsten Sinne des Wortes, daraus. So lässt sie ihre Protagonistin gleich zu Beginn durch Abgründe, Verlust, Schmerz und Angst gehen. Auch der Hass und das Misstrauen, der ihrer Figur Ruby, einer hier "Fireblood" genannten Feuermagierin, fast überall entgegenschlägt, formen ihren Charakter und machen die Geschichte weit interessanter, als es oft bei Jugendbuch Fantasy mit Helden mit der Gutgläubigkeit und dem IQ von Bambi der Fall ist.

Stets wandelt Ruby auf einem schmalen Grat zwischen Gut und Böse, gefangen in ihrer Sehnsucht nach Rache und dem Wunsch gleichzeitig Gutes zu tun. Ihren Weg mitzuverfolgen und mit ihr bei all den Prüfungen und Steinen auf ihrem Weg mitzufiebern, ist in diesem Fall wirklich ein Vergnügen und spannend noch dazu. Ein, zwei Wendungen gibt es schon, bei denen ich mir beim Lesen dachte "war ja klar". Aber das tut diesem zauberhaften, faszinierendem und spannenden Buch keinen Abbruch. Vielen Dank dafür, Elly Blake!

Ich werde die Serie weiter verfolgen!
       

Donnerstag, 12. April 2018

Andreas Suchanek- Das Erbe der Macht Band 4: Allmacht

Mittlerweile ist das 4. Hardcover von Andreas Suchaneks Fantasy- Serie "Das Erbe der Macht" erschienen. Dieser Band beinhaltet die eBook- Folgen 10 bis 12 und ist über 500 Seiten dick.

Wer die Serie noch nicht kennt, hier eine kurze Zusammenfassung, die Neulinge nicht unnötig spoilert: die Welt wie wir sie kennen ist magisch. Wir Nichtmagier, Nimags genannt, können dies durch einen magischen Wall, der zum Schutz errichtet wurde, jedoch nicht sehen. Bei den magisch Begabten sehen wir z.B. statt ihrer Essenzstäbe einen Regenschirm, der Wall gaukelt uns also unsere Normalität vor, wo eigentlich Magie ist. Magie geht in Form eines Sigils von einem Magier, bei dessen Tod, auf einen anderen über. Es gibt Lichtkämpfer (also "die Guten") und Schattenkrieger (jetzt ratet mal...), beide Seiten haben ihre eigenen Refugien und werden angeführt von Unsterblichen, auf der Seite des Lichts sind dies z.B. Albert Einstein und Kleopatra, auf der dunklen Seite der Magier- Macht findet man hingegen Dschingis Khan und Aleister Crowley. Beide Seiten streiten um die Vorherrschaft, die Macht über den Wall und die Zukunft der Magier und Nimags und dann ist da noch die Schattenfrau, die zu keiner dieser Fraktionen gehört, aber große Macht besitzt und ihre eigenen Pläne verfolgt.
In diesem letzten Band des 1. Zyklus (man ahnt es, ein 2. Zyklus wird folgen, jedoch erscheint vorher noch ein Spin- Off rund um die Unsterblichen Leonardo da Vinci und Johanna von Orleans) hat sich Herr Suchanek selbst übertroffen, insbesondere in folgenden Bereichen: fiese Cliffhanger die zum Weiterlesen nötigen, völlig unvorhergesehene Wendungen und wirklich emotional packende Szenen.

Beim Pärchen Max und Kevin gibt es derer gleich zwei in diesem Buch, bei denen ich froh war jeweils noch zehn Minuten weiterlesen zu können, sonst hätte ich das echt nicht ausgehalten. Man kann ja schlecht öffentlich in der Mittagspause im Cafe bei McDonald´s losheulen... Auch bei Jen und Alex passiert viel und die typischen Kabbeleien der beiden sind immer amüsant zu lesen. Da kommt halt auch der Humor des Autors durch, es ist nicht immer alles bierernst im Buch (Stichwort "Pummeleinhorn").

Es passiert, insbesondere im letzten Teil, derart viel auf wenigen Seiten, man fühlt sich ein wenig erschlagen. Allerdings fallen damit auch wieder, typisch Andreas Suchanek, alle Puzzlesteinchen an den richtigen Platz und ergeben ein stimmiges Bild. Ich sage Danke für diesen tollen Teil.

Das Erbe der Macht- Fans werden hier ohnehin zugreifen und Fantasy- Fans die gern Serien lesen, sollten unbedingt mindestens das erste eBook oder Hardcover antesten!

Hier gibt es mehr über den Autor:  http://www.andreassuchanek.de/

Hier bloggt er aus seinem Autorenleben (lesenswert!): http://blog.andreassuchanek.de/

Sonntag, 8. April 2018

Wolfram Fleischhauer - Das Meer (Hörbuch)

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe, ihr konntet an diesem verfrühten Sommer- Wochenende ordentlich Sonne tanken und gute Laune bekommen. Denn die gute Laune werde ich euch jetzt vertreiben und zwar gründlich!

Heute möchte ich ein Hörbuch besprechen, dass mich auf der Gefühlsebene ziemlich
mitgenommen hat. Es ist zwar ein Roman, aber da er auf einer absolut realen Tatsache fußt, bleibt einem das "boah, geiler Thriller"- Gefühl aus. Trotzdem, ihr solltet dieses Buch lesen (oder hören)!

In "Das Meer" widmet sich Wolfram Fleischhauer dem Raubbau an unseen Meeren, der naturzerstörenden und unmenschlichen Industrie dahinter, dem Versagen der Behörden und dem Kampf dagegen.

Die EU- Fischereibeobachterin Teresa verschwindet spurlos, scheinbar ist sie über Bord gegangen, die Suche nach ihr verlief erfolglos. Doch ihr Lebensgefährte John mag nicht an ihren Tod glauben, auch Ragna, eine Untergrund- Umweltaktivistin, ist schockiert von Teresas Schicksal, verfolgten doch beide Pläne, den gefangenen Fisch im großen Stil zu vergiften um diese Industrie zu zerstören...

Die Ereignisse beginnen sich schnell zu entwickeln, in ganz Europa erkranken Menschen an einer algenbedingten- Fischvergiftung, auch bei Fischsorten die gar nicht in Kontakt mit dieser Alge kommen. Grund zur Beunruhigung? Ja, nur nicht bei den Behörden, da mahlen die Mühlen langsam und in aller (nicht) gebotenen Ruhe. Das kommt einem als Mensch dieser Gesellschaft doch recht realistisch vor. Fleischhauer führt einem den Irrsinn des Systems vor, wenn er von lächerlichen Scheinkontrollen schreibt, angekündigten Razzien und Behörden, die beide Augen ganz fest verschließen und sich in wohlfeilen Beschlüssen ergehen und denen Wirtschaft vor Gesundheit, Umwelt und Menschenleben geht, obwohl Handeln das Gebot der Stunde wäre.

Fleischhauers Story hat eine Sogwirkung, sie fesselt, sie beängstigt, sie bestürzt, und ja- obwohl es Fiktion ist- er schafft es, dass auch ich mich schuldig fühle, obwohl ich seit  fast12 Jahren kein Stück Fisch mehr im Mund hatte. 

Einziger Makel an der Geschichte für mich- Fleischhauers Umweltschützer, insbesondere Ragna di Melo als Hauptfigur, ist derart unsympathisch und überheblich beschrieben, ich kann einfach keine Sympathie für sie entwickeln, obwohl ihre Sache eine gute ist!

Johannes Steck liest diesen Thriller mit seiner angenehm rau- tiefen Stimme, gelegentlich ist er mir dabei etwas zu monoton, insbesondere bei den verschiedenen Charakteren habe ich ein wenig Individualität vermisst, generell bleibt es aber eine gute Sprecher- Leistung.

Ein Buch das man wirklich lesen sollte!

Dienstag, 3. April 2018

Amizaras Chronik- Band 1 Aschamdon von Valerian Çaithoque

Was für ein Buch!

Der unterarmdicke Wälzer (und hier ist ein sattlich- muskulöser Mannerunterarm gemeint!) von geheimnisvollen Chronisten Valerian Çaithoque entführt euch in eine faszinierende Urban Fantasy Welt verschiedener Zeitebenen.

Im Handlungsstrang um Rafaela seid ihr in der Mitte des letzten Jahrhunderts unterwegs. Rafaela wird schon als Kind von ihrem Vater gequält, zu Unrecht angeklagt und findet sich- als sie Rache nimmt- in der Psychiatrie wieder. Doch da bleibt sie nicht lang, ihre Gabe engelsartige Wesen zu sehen bricht sich dort vollends Bahn und Aschamdon, ein Ariach, wie die engelsartigen Wesen hier genannt werden, bietet ihr einen Handel an. So kommt Rafaela zum sagenumwobenen Sarastro- Orden und beginnt dort ihre Ausbildung zur Bannzauberin.

50 Jahre später in Wien ist Antiquitätenhändler Atila Fakili in finanziellen Nöten. eigentlich hatte er immer das geschickte Händchen die erlesensten Stücke zu finden, doch gerade ist Flaute, sein inneres Stimmchen schweigt und der Kredithai sitzt ihm im Genick. Das Geschäft, in dem er seine Rettung sieht artet völlig aus und Geldsorgen sind auf einmal das kleinste seiner Probleme. Auch hierbei ist das Wirken der Ariach im Spiel.

Geschickt werden hier, in diesem wunderschön gebunden und illustriertem Buch, die Fäden geknüpft, welche erst in Band 2 miteinander verwoben werden. Es ist jederzeit fesselnd, mystisch, gefährlich und Atila, mein persönlicher Lieblingscharakter, ist einfach ein witziges Kerlchen mit hohem Unterhaltungswert. Dazu kommt das unglaublich edle Äußere dieses Buchs. Band 2 und 3 sind übrigens genau so ausgestattet.


Wer lieber hören statt lesen mag, Aschamdon ist auch bereits als Hörbuch erschienen.

Mehr Infos hier: http://amizaras-chronik.de/

Dem Fanclub der Leserschaft, der Legion Amizaras, kann auch Facebook beigetreten werden: https://www.facebook.com/groups/976926082377431/

Donnerstag, 29. März 2018

Million Dollar Boy von Will Hofmann




Will Hofmanns literarisches Portfolio ist breit. Was mich an ihm fasziniert, er schreibt sowohl düstere Dystopien mit Action- Einschlag wie "Götter" (sehr lesenswert!) als auch Kinderbücher. Letztere sind nicht so sehr mein Fall, aber einfach weil ich keine Kinderbücher mag. Doch seine Werke für Erwachsene, die sind mehr als einen Blick wert.

In seinem aktuellen Buch "Million Dollar Boy" beschreibt er eine Welt ohne Geld, der Traum aller Sozialisten, Er skizziert am Leben seines Protagonisten Ede die Wende von der kapitalistischen Gesellschaft zum geldfreien Leben, und das obwohl Ede ein notorischer Glücksspieler ist.

Eine interessante Vorstellung, jedoch nimmt der Glücksspiel- Aspekt und die Zeit vor der Umwälzung sehr viel Raum im Buch ein, das hätte ich so nicht erwartet. Überdies ist das Buch farbig bebildert, mit Abbildungen Roulette- Tischen und später, als es etwas mystischer wird, auch von geheimnisvollen Zeichen. Es ist eine spannende Geschichte die sich von einer Glücksspiel- Action- Story zu einer esoterisch-magischen Weltveränderungsgeschichte entwickelt.

Mir war die Beschreibung der Glücksspielstrategien etwas zu ausladend und die Taschenbuchausfertigung ist von nicht ganz zufriedenstellender Qualität (die Deckfolie am Cover hat sich schon bei meinem neuen Buch leicht abgelöst). Es ist und bleibt aber ein interessantes, unkonventionelles Buch mit Leseemphehlung.

Wiebers Verlag, 11,90€


Montag, 26. März 2018

Kurt in göttlicher Mission von Sascha Raubal


Heute auf der Speisekarte: Urban Fantasy aus Deutschland

Wie geht Urban Fantasy normalerweise (und damit viiiieeeel zu oft)?

Ungefähr so: die junge, gut aussehende XY führt ein tolles/deprimierendes Leben. Auf einmal trifft sie den geheimnisvollen Unternehmer/Autor/meinetwegen auch Influencer Z, der ein mysteriös- mystisches Doppelleben als Vampir/Werwolf/Elf/CSU- Wähler führt. Gegen ihren Willen fühlt sie sich zum unglaublich attraktiven Z hingezogen, doch in seiner Welt lauert Gefaaaaahr.

Da möchte man doch geistig ein Gähnen der Unterforderung unterdrücken.

Wenn wir jetzt den ganzen Schmonz in die Tonne kloppen und kitschig-klebriges Liebesgeseier durch witzig- bekloppte Action, den mysteriösen Z durch einen coolen, nicht minder gut aussehenden, Privatdetektiv, die hübsch-doofe XY durch eine schlagfertige Nonne und Werwölfe durch Götter ersetzen, dann kommt Kurt dabei raus!

Sascha Raubal hat mit Kurt in göttlicher Mission ein verdanmmt amüsantes Stück Urban Fantasy geschaffen in dem sich Privatdetektiv Kurt einer außergewöhnlichen Aufgabe stellen muss. Wo er sonst eher Ehebrechern nachstellt, erwartet ihn bei diesem Auftrag nichts geringeres als ein Bombenanschlag.

Die kauzigen Charaktere wie Friedl Marx, Thorben und sein einäugiger Chef machen die Story, mit einigen unvorhergesehenen Wendungen und genialen Wortgefechten zu einem humorvollen Lesevergnügen, das mal eine ganz andere Art von Urban Fantasy darstellt.

Lesenswert!

12,90€ erschienen im Machandel Verlag

Homepage von Sascha Raubal Link






Donnerstag, 22. März 2018

Azuhr - Bernhard Hennen live in Ulm

Am gestrigen Abend hat Fantasy- Autor Bernhard Hennen in Ulm live aus seinem neuen Roman gelesen, und ich war samt Ehemann vor Ort.

Neben den ersten Seiten bekam das Publikum auch eine erotische Szene zu hören. Typisch für Hennen, er war in bester Plauderlaune und versorgte das Publikum mit launigen Anekdoten aus seinem Autorenleben. So war zu erfahren, warum ihm weder Lektorin noch Testleserschaft Šupiluliuma als Charakternamen haben durchgehen lassen, wie man fast zuverlässig Abgabetermine dehnt und wie es sich auf einem keltischen Gräberfeld schläft. Natürlich signierte er auch fleißig, und wie immer auch sehr persönlich, alle mitgebrachten und gekauften Bücher. Einer meiner absoluten Lieblingsautoren! Menschlich ein sympathisches Kerlchen und schreiben kann er auch noch!

Ein unterhaltsamer Abend, der nach einer Wiederholung schreit.

Termine gibt es hier: http://www.bernhardhennen.de/




Mittwoch, 21. März 2018

Monica J. O. Rourke - Quäl das Fleisch


Für meine erste Rezension im Blog habe ich mir Quäl das Fleisch von Monica J. O. Rourke ausgesucht. Wer versucht diesen Namen laut auszusprechen, dem packt es einen hinten im Rachen, es geht kaum ohne Würgen. Die erwachsene Damenwelt und vielleicht einige der Herren kennen das Gefühl. 

Ein Vorgeschmack auf den Inhalt des Buches. Wer kennt sie nicht, diese romantischen Komödien die mit einer erwachsenen, leicht moppeligen Frau mit Komplexen beginnen. So startet (und alle noch mal laut!!!) J. O. Rourke auch, nur dann geht es Monika sei Dank deutlich handfester weiter als mit einem schmierigen Lovestory- Prinzen. 

Monica lässt ihre Protagonistin Zoey entführen in ein Diät- Bootcamp entführen, gegen dass die gefilmte Adipösenerniedrigung "the biggest loser" ein wahres Paradies ist
 Statt LKW- ziehen und Sandjogging stehen für Zoey Vergewaltigungen, Erniedrigung und sadistische "Wärter" auf dem Stundenplan. Doch dann gerät der Diätbetrieb aus den Fugen...

Was für eine Story! Ich vergebe 7 von 10 Punkten weil mir die Geschichte manchmal etwas zu unklar war, insbesondere im Hinblick auf die Motive der Wärter und des diabolischen Genies hinter all dem. Etwas weniger Fokus auf die Gewalt und den Sex und etwas mehr Hintergrund hätten das Buch noch interesanter gemacht. Eher für erfahrene Leser harter Literatur. Erschienen im Festa Verlag in der extrem- Reihe, nur über den Verlag zu beziehen.

 Taschenbuch 12,99€

https://www.festa-verlag.de/quael-das-fleisch.html
Hallo und Herzlich Willkommen auf meinem Blog!

Ich hieße Ines, bin 30 Jahre alt, wohne mit 2 Katzen und einem Mann (ich wünschte, es wäre anders herum😉) im Allgäu und bis gerade eben noch Blog- Jungfrau gewesen. Aber alles hat mal ein Ende, so auch meine nichtbloggende Lebenszeit.

Meine Leidenschaft für Bücher, insbesondere aus den Genres Fantasy, Horror, Crime und Thriller, möchte ich mit euch teilen und mit euch über neu erschienene Bücher, ewige Klassiker und geliebte alte Schätzchen diskutieren.

Ich freue mich drauf!

Ines