Samstag, 5. Mai 2018

Liebe, Tod und Tofu - Margot Jung

Traue keinem Buch, das einem Blogger auf der Leipziger Buchmesse gegen eine Rezension geschenkt wird...

Ja, eine alte Weisheit, hat sich leider mal wieder bestätigt.

In Margot Jungs Krimi "Liebe, Tod und Tofu" geht es um die Fernsehköchin Francesca Carlotti. Diese macht sich auf den Weg in die Berge um dort in einem Hotel einen Kochkurs zu geben, daraus wird aber leider nichts. Just als sie bei Weltuntergangswetter direkt auf dem Hotelparkplatz in einen harmloseren Autounfall verwickelt wird, geht eine Mure ab, das Tal ist von der Außenwelt abgeriegelt. Mit ihr sind nur eine Handvoll Gäste im Hotel, unglücklicherweise unter anderem ihr Ex- Mann mit seiner neuen Flamme und dessen alte Fußballfreunde. Und dann geschieht auch noch ein Mord...


 Warum hat mir dieses Buch nicht so gut gefallen?

Nun, fangen wir mal beim Plot an sich an. Die Idee des Mordes, wenn die potentiellen Verdächtigen alle bekannt sind, ist nicht neu. Nur hier reiht sich viel zu viel Zufall und Deus Ex Machina aneinander. Es schaffen es z.B. alle aus dem Kreis des "Mannschaftsrat" genannten Ex- Fußallerkreis ins Hotel, natürlich auch noch Francescas Sohn und Tochter und die Neue vom Ex, aber kein einziger Kochkurs- Teilnehmer oder sonstiger Hotelgast. Klingt unwahrscheinlich. Insbesondere der Grund warum Francescas Sohn da ist, wirkt extrem herbeifabuliert (klar, wenn ein Teenager Stress hat, dann fährt er zu Mama "auf die Arbeit" statt einfach nach Hause). Aber irgendeinen Grund braucht man ja, damit der Bub, für ein bissl mehr Familienchaos in der Geschichte, halt da ist. Und so geht es in der Geschichte immer nicht so ganz glaubwürdig weiter...

Die Zeichnung der Charaktere ist auch alles andere als fein. Francesca ist eine deutschlandweit bekannte Fernsehköchin- was qualifiziert sie dazu? Sie hat mal in einer Bar gejobbt und hat dann einen Fußballer geheiratet. Klingt logisch! Italiener sind alles Machos, Dorfpolizisten sind strunzdumm und ihr Ex hat längst eine jüngere Neue, aber natürlich will er Francesca irgendwie doch zurück. Da wurde ganz tief in der Klischeekiste gewühlt.

Was mich überdies gestört hat, sind die sehr konstruierten Konflikte. Francescas "Gegenspielerin" Jaqueline, die Neue vom Ex, ist eine bekannte Köchin der veganen Küche und soll mit ihr zusammen den Kochkurs abhalten. Natürlich wusste Francesca das nicht! Natürlich wusste ihre Mangerin das nicht. Natürlich trägt die Veganerin Lederschuhe! Natürlich kann die Jaqueline nicht kochen! Natürlich nimmt die kiloweise Ersatzprodukte! Himmel hilf! Ich bin selbst keine Veganerin, aber sogar ich weiß, was für weltfremde und (Entschuldigung, Frau Jung, aber das ist Fakt!) strunzdumme Klischees das sind. Diese werden noch mehr ad absurdum geführt, wenn Francesca der Jaqueeline einen Vortrag zu regionalen Produkten hält und dann selbst Rohrzucker in ihre ach so italiensichen Pancakes (!) schmeißt.

Auch die Auflösung des Falles ist wirklich kein bisschen überzeugend.

Dieses Buch konnte ich leider gar nicht begeistern, ich kann es nicht weiterempfehlen.


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