Samstag, 11. August 2018

Lindsey Fitzharris - Der Horror der frühen Medizin

Heute mal ein improvisertes Foto aus dem Urlaub,da das Buch verliehen wurde. Hier haben wir es mit einem absolut empfehlenswerten Sachbuch zu tun, bei dem sowohl nüchterne Mediziner als auch Fans von Büchern mit jeder Menge Blut, Eingeweiden und Eiter auch ihre Kosten kommen! Man mag es sich gar nicht vorstellen, doch noch im vorletzten Jahrhundert war es die Realität: zum Mittel einer Operation griff man immer nur als allerletzte Möglichkeit, wenn der Patient ohnehin schon todgeweiht schien und wenn man zu Werke schritt, dann ohne Narkose, die gab es nämlich noch nicht. Doch dann kam der Durchbruch, die gute alte Äthernarkose, so zwar heute auch nicht mehr angewandt, aber endlich trauten sich die Chirurgen wirklich zu operieren, in dieser Zeit fühlte sich der junge Joseph Lister berufen diesem Berufsstand anzugehören und seine Arbeit und seine Forschungen sollten die Welt verändern und unzähligen Menschen das Leben retten. Lindsey Fitzharris erzählt die Lebengeschichte Listers packend und wie in einem Roman. Anschaulich schildert sie die Zustände zu dieser Zeit in Operationssälen, Anatomietheatern und Hospitälern. Diese kann man als Mensch unserer modernen Medizn fast gar nicht fassen, bei Fitzharris´Bericht wie der Chirurg Liston (ListON,nicht ListER) bei einer einzigen Operation gleich 3 Männer ins Grab brachte, bleibt einem der Mund offen stehen. Sie berichtet von Listers Zweifeln an der Medizin und den damals gängigen Lehrmodellen der Krankheitsverbreitung, seinen vehementen Widersachern wie den Anhängern der Miasmen- Theorie und seinem Streben nach der Erlangung von immer mehr und immer neuen Erkenntnissen.
Dieses Buch über den ersten Verfechter der Asepsis (sprich der Verringerung krankheitsverursachender Mikroorganismen in der Nähe des Patinten) ist wirlich ein Must read für jeden Fan medizinischer Sachbücher und für alle, die sich für Berichte von großen Denkern und Forschern begeistern können. Es ist auch alles so beschrieben, dass man selbst nicht medizinisch vorgebildet sein muss, um dem Buch folgen zu können. Für mich bis jetzt das beste Sachbuch 2018.

Montag, 6. August 2018

Gabe Hudson - Gork der Schreckliche

Sorry für die lange Sendepause- aber ich war im Heidennirvana- eine lange Geschichte voller Met und sonnenverbrannter Tage, die aber ein anderes Mal erzählt wird. Eines möchte ich vorweg nehmen: nach wie vor frage ich mich, ob ich mit meinen 31 Jahren wohl einfach nicht die Zielgruppe für dieses Buch bin. Was wohl eine 16- jährige, wandelnde Akne- Zuchtanstalt im cerebralen Hormonnebel zu diesem endheftigen Teenage- Dragomance sagen würde? Was das jetzt bitte für ein dämlicher Satz war? Einer der charakteristisch für dieses Buch ist! Gabe Hudson wählt für seine Teenager- Lovestory im Drachen - im -SciFi- Universum- Gewand (für sich schon abgedreht genug) eine gekünstelte, rotzige Jugendsprache, die einen die Augenbrauen hochziehen lässt. Ob´s am Übersetzer lag? Man mag es kaum glauben, denn auch das Lektorat hätte ob der unendlichen Formulierungs- Wiederholungen Bluthochdruck kriegen müssen! So ist hier stets und ständig zu lesen "mein schuppiger grüner Arsch", fast auf jeder Seite, ich fühlte mich an das ebenfalls unsäglich schlecht geschriebene "50 Shades of Grey" erinnert, da begegnet man ja auch auf jeder zweiten Seite Anastasias "innerer Göttin" die sich wahlweise räkelt, jubiliert, stöhnt, räkelt, jubiliert, stöhnt, bei sowas stöhnt der Leser halt mit, aber eher entnervt.
Da die Handlung von Niveau und Tiefe auch eher auf dem Niveau von Youtube- Makeup- Tutorials dümpelt (die Handlung hätte problemfrei, ohne die unsinnigen und unnötigen Abschweifungen auf 80 Seiten gepasst) habe ich mir einen Spaß daraus gemacht und hier kommt mein Tipp für Gork- Leser Ü18: ihr braucht eine Flasche eures Lieblingsschnapses (ich habe im Urlaub was regionales genommen, Ramzotti) und das Buch! So geht´s: loslesen und immer wenn das schuppige grüne Hinterteil genannt wird, einen kräftigen Schluck aus der Pulle nehmen. Nach 10 Seiten wird die Story gut, nach 25 Seiten war ich quasi auf dem Wille-zur-Macht-Level: knallhartes Rauhbein ohne Bewusstsein, um beim Gork- Jargon zu bleiben. In diesem Sinne: wer mal ein schlechtes Buch verschenken will (Prävention damit die Schwiegermutti nicht die eigenen Fantasybücher plündert) oder ein literarisches Saufspiel für die nächste Party braucht: hier seid ihr richtig! Ihr fandet diese Rezension unsachlich? Ich auch! Aber ernsthaft, zu dem Buch gibt es nix gutes zu sagen außer: nettes Cover!